Patientenverfügung

29.07.2014 16:05

 

Wir alle wollen selbst über uns bestimmen. 
Was jedoch passiert, wenn wir das nicht mehr können?

Beim Thema der Patientenverfügung nähert man sich einem höchstsensiblen Terrain, das, obgleich es angesprochen werden soll und muss, einen Großteil der Menschen unangenehm berührt. Jeden Tag treffen wir Entscheidungen, die unser Leben bis ins Detail regeln, wir planen unsere Zukunft und sorgen vor. Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, für die Pension, fürs Alter. Und doch versuchen wir die Beschäftigung mit Fragen, die mit der eigenen Handlungsunfähigkeit oder gar dem Tod in Verbindung stehen, so weit wie irgend möglich hinauszuzögern und zu verdrängen.

Die Überlegungen, wie wir sterben möchten, wie weit die medizinische Versorgung und Betreuung im Ernstfall reichen soll, und wo wir selbst individuell die Grenze zwischen sinnvollen medizinischen Eingriffen und der bloßen Erhaltung von Letalfunktionen  ziehen würden, bleiben dabei meist zeitlebens im Dunklen.

Im Beisein des behandelnden Arztes oder der Verwandten irgendwann im Lauf des Lebens den Wunsch zu äußern, keine Schläuche oder lebenserhaltende Maßnahmen zu wollen, reicht hier nicht aus. Vielmehr braucht es eine so genannte Patientenverfügung, mit Hilfe der man auch im Notfall sein Recht auf Selbstbestimmung beibehalten kann. Im juristischen Sinne versteht man unter Patientenverfügung eine schriftliche, notariell beglaubigte Willenserklärung für den Fall des Verlustes der persönlichen Handlungsfähigkeit. Sämtliche Erklärungen,  die in dieser individuell maßgeschneiderten Verfügung verlautbart werden, betreffen demgemäß den Fall, dass der Patient seinen Willen selbst nicht mehr äußern kann, wie dies beispielsweise durch die Endphase einer schweren Erkrankung oder nach einem Unfall gegeben sein könnte. Bestimmte medizinische Behandlungen können durch die Verfügung von vornherein abgelehnt werden. Die Patientenverfügung, als deren juristische Grundlage das PatVG fungiert, dient gewissermaßen als Sicherstellung, dass dem persönlichen Wunsch, sowie der Patientenautonomie auch im Ernstfall Rechnung getragen wird.

Wirksamkeitsvoraussetzungen einer Patientenverfügung:

Als Voraussetzung für die Gültigkeit der Verfügung gelten die folgenden Kriterien, die auf den Schutz des Patienten fokussieren:

  • Die psychische und geistige Fähigkeit des Patienten zum Erklärungszeitpunkt
  • Die Erklärung muss dem tatsächlichen Willen des Patienten entsprechen
  • Möglichkeit und Erlaubtheit (dies bedeutet, dass sich der behandelnde Arzt trotz Patientenverfügung nicht über die geltenden gesetzlichen Schranken hinwegsetzen darf, wie dies beispielsweise bei Sterbehilfe der Fall wäre)
  • Die Verfügung verliert ihre Wirkung, wenn sich der Stand der medizinischen Forschung seit der Erklärung des Willens erheblich verändert hat
  • Die Verfügung verliert ihre Gültigkeit, wenn der Patient seinen Willen nachträglich (ausdrücklich oder via Gesten) widerruft

Gesetzlich geregelte Varianten der Patienten-verfügung:

Generell sieht das Patientenverfügungsgesetz (PatVG) zwei unterschiedliche Varianten der Verfügung vor. Der Inhalt verbindlicher Patientenverfügungen ist vom behandelnden Arzt selbst dann zu akzeptieren, wenn er vollkommen anderer Meinung ist, oder eine medizinische Behandlung sogar dringendst indiziert wäre. Da eine solche Regelung natürlich weitreichende Konsequenzen haben kann, werden verbindliche Verfügungen erst nach der Erfüllung besonders strenger Voraussetzungen gültig. Hierzu zählen die zwingende Aufklärung durch den Arzt, eine Beglaubigung  durch eine rechtskundige Person (Notar, Rechtsanwalt oder Patientenvertreter), sowie die Wirksamkeitsbegrenzung der Erklärung für maximal fünf Jahre. Fehlen eine oder mehrere dieser Voraussetzungen, so wird die getätigte Erklärung jedoch nicht sofort nichtig, sondern gilt in abgeschwächter Form als beachtliche Patientenverfügung, die als Orientierungshilfe für den behandelnden Arzt fungiert.

Wann erstelle ich eine Patientenverfügung?

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Willen ist nicht nur für Senioren sinnvoll, die sich vielleicht eher mit der Thematik des persönlichen Ablebens beschäftigen, als dies junge Menschen tun mögen. Ratsam ist es vielmehr, sich bereits in jungen Jahren Zeit zu nehmen, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu reflektieren. Diese persönlichen Vorstellungen vom Leben, zu dem wie die zweite Seite der Medaille eben auch der Tod gehört, sollten nach Möglichkeit auch die Regelung der eigenen Handlungsunfähigkeit beinhalten.

Wenn Sie nun weitere Informationen zur Patientenverfügung einholen möchten, so finden sich auf unserer Linkseite zahlreiche Webadressen, die die Thematik, einschließlich ihrer rechtlichen Dimensionen, beleuchten. Darüber hinaus stehen wir Ihnen selbstverständlich mit Rat und Tat beiseite.

Lassen Sie sich bei Interesse doch einfach einen Termin zu einem persönlichen Gespräch geben, damit wir uns diesem sensiblen Thema gemeinsam ein Stück weit annähern können.